Zwanglos elektronische Musik genießen – Extreme Chill Festival 2014

Extreme Chill Festival 2014 Berlin

Fotos: Aðalsteinn Guðmundsson

Platoon Kunsthalle. Ankommen, entspannen. Ich hole mir ein Bier an der Bar und lasse den ausklingenden Tag an mir vorbeiströmen. Draußen herrscht noch reges Treiben, von drinnen ein paar Electronica-Fetzen. Schöne Menschen versammeln sich in Gruppen und zelebrieren den Abgang der heute so gnadenlosen Sonne und die Aussicht auf ein paar Stunden angenehmer Temperaturen.

Die Nacht hat noch nicht einmal angefangen. Ein kultureller Mix der Sprachen hängt über der Terrasse, denn hier lädt eine Veranstaltung, die nicht originär aus Berlin ist. Das Extreme Chill Festival hat seine Heimat in einem Fischerdorf auf Island. Ihr Gründungsmythos basiert auf dem Record Release der Downtempo-Band Stereo Hypnosis direkt zwischen Meer und Bergen. Weit ab der städtischen Hektik wird die Idee geboren, ein Festival außerhalb von Raum und Zeit zu veranstalten. Weit ab des erdrückenden Alltags. Hier wird für dich auf „Pause“ gedrückt und du kannst dich von der Musik davontreiben lassen.

Ambient, Chillout, Downtempo und Deephouse heißen die einzigen Gebote des Wochenendes, das zur Feier seines fünften Geburtstages nach Berlin verlegt wurde. Vor den Füßen des ruhelosen Stadtteils Mitte wird der Bruch vollzogen, der Großstädter aus seiner natürlichen Umgebung gerissen, die Touristen beim Vorbeigehen von der Musik gelockt.

Ab 20 Uhr werden die Fetzen zu einem regelmäßigen Klangteppich. Das Festival beginnt mit Mike Hunt. Doch noch immer entzieht sich die Mehrheit des stickigen Inneren der Kunsthalle. Nur wenige machen es sich auf der aus Getränkekästen erbauten Terrassenlandschaft in der beruhigenden Dunkelheit gemütlich. Erst zu Stereo Hypnosis zieht es auch mich hinein. Hypnotisch ist die Regelmäßigkeit anrollender Wellen in den Visuals, überlagert von einem Hyperfokus organischer Formen, mikroskopischer Gebilde, reduzierter Farbe auf wenige Graustufen.

Während der Pause zu Hans Joachim Roedelius, dem Urvater der elektronischen Tanzmusik, breiten sich Gespräche aus. Seine lebendige Musik bildet den unmittelbaren Kontrast zu den Isländern. Übergroße Portraits von jungen Menschen, Kindern; bunte, helle Farben unterstreichen das Glück. Es füllt sich. Trotzdem hätte das Festival besser besucht sein können. Niemand tanzt. Vor dem Pult sitzen, liegen die Besucher, Unbekannte kommen ins Gespräch. Niemand beschwert sich.

Mit Tonik neigt sich das Festival für mich dem Ende. Die Musik gewinnt an Gesang und Instrumenten, wird wilder, wärmer und einnehmender. Ein gutes Gefühl nehme ich mit nach Hause, während ich durch die urbane Landschaft streife. Denn beim Extreme Chill Festival war nicht nur die Musik entspannt, die Menschen waren es, die Atmosphäre, das Miteinander. Zwanglos verbrachten hier Fremde einen gemeinsamen Abend und teilten die Neugier auf neue Musik.

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