Portrait 3.0 |#2| GEIST

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(Geist 2014, Foto by Jenny Späth)

„Schließe meine Augen und liefere mich aus. Lege meine Gedanken zur Ruhe nieder. Höre nur die Welt, wie sie atmet, und mich, wie ich atme, und spüre, alles hat seine Richtigkeit.“

(aus dem Album FÜR ALLE ZEIT)

Für den zweiten Teil von Portrait 3.0 konnte ich die Progressive-Rocker von Geist gewinnen. Per Mail gestellte Fragen wurden von der Band liebevoll beantwortet. Ein herzliches Dankeschön geht nochmal nach Köln! 

Die Anfänge der Band liegen in den frühen 00er Jahren. Nach musikalischer Selbstfindung und diversen regionalen Gigs streckte die Band ihre Fühler auch auf bundesweiter Ebene aus. 2007 veröffentlichten sie ihr erstes Album FÜR ALLE ZEIT beim Gothik-Label Dance Macabre. Bundesweit wurde das Album gern gehört und selbst in San Francisco lief der eine oder andere Song im Radio. Unzählige Gigs führten die Band zum zweiten Album. FEUERENGEL erschien im Januar 2011, diesmal auf dem eigenen Label fatianol records und erfreute sich ebenfalls einer großen Höhrerschaft! Die Musik der Band ist im Normalzustand laut und krachig und so ist es kaum verwunderlich, dass die Herren, nach einigen Gigs in diesem Format, Ende 2013 ein Unplugged Album veröffentlichten. OHNE WORTE heißt das gute Stück und ist als digitaler Download online überall erhältlich.

(Eindrücke von den Aufnahmen zu dem Album OHNE WORTE. Wenn ihr ein wenig Geduld habt, könnt ihr im Anschluss noch weitere Videos der Band genießen.)

Geist schaffen es mit tiefgründigen Texten und gefühlvollen, leidenschaftlich-harten Melodien den Nerv des Hörers auf eine besondere Art und Weise zu treffen. Musikkritiker vergleichen ja unglaublich gern und so kann man getrost sagen, dass der Sound an die 90er-Prog-Rocker von Tool erinnert, aber dennoch mit der Moderne gut verschmilzt.

Und jetzt das Interview über Past, Present und Future … und Lieblingsplatten!

Wie habt ihr euch kennengelernt und warum macht ihr die Musik die macht? 

Tim: Ich bin 2004 als neuer Gitarrist zu GEIST gestoßen und traf auf drei Musiker, die stilistisch sehr unterschiedlich waren, mit denen jedoch sofort eine große Gemeinsamkeit bestand: sich nicht mit erstbesten Ergebnissen zufrieden zu geben. Insofern existierte vom ersten Tag an eine Art Musik zu machen, die basisdemokratischer nicht sein könnte. Die Musik, die entstanden ist und die entsteht, ist immer Schnittmenge der beteiligten Musiker und basiert nicht auf einem wie auch immer gearteten, darüberstehenden Masterplan oder Styleguide. Das geht auch gar nicht anders: Da wir keine Vollprofis sind und jeder von uns seine Energie seit vielen Jahren in die Musik steckt, muss auch jeder sich selbst in GEIST und der Musik selbst verwirklicht sehen, sonst ginge es nicht weiter.

Fares: Jugendfreunde oder Sandkastengeschichten, keine Verwandtschaften oder Liebschaften. Nix dergleichen. Ganz einfach nur unsere Musik hat uns zusammengebracht, manche von uns dazu gebracht, immer weiter zu machen, andere, dazu zu stoßen, die vorhandene Energie aufzugreifen und fortzuführen. GEIST ist inzwischen wahrscheinlich organischer denn je, ist gewachsen, hat sich verändert, war zwischenzeitlich auch mal verletzt, aber ist jedes Mal wieder gesund und ich denke auch gestärkt daraus hervorgegangen. Ich selbst mache diese Musik, weil ich es muss, weil es aus mir heraus muss. Sonst werde ich unerträglich. Früher war ich dabei, glaube ich, noch viel zorniger. Das habe ich immer noch in mir, aber heute treibt mich zunehmend auch der Wunsch an, einfach etwas Bewegendes zu erschaffen, egal in welcher Klangfarbe. Das kostet manchmal viel Energie, bis so etwas steht, aber wenn es gelingt, dann gibt es noch viel, viel mehr Energie zurück. Das ist Grund genug, oder?

Der musikalische Werdegang …

Tim: Autodidakt, seit dem 16. Lebensjahr in Bands

Fares: Gibt’s nicht viel zu sagen. Der liegt bis auf nicht erwähnenswerte Anfänge oder Ausflüge schlichtweg in der Geschichte dieser Band.

Sebi: Ich spiele seit dem 15. Lebensjahr Bass in verschiedenen Rockbands.

Habt ihr musikalische Vorbilder/Inspirationen?

Tim: Schwer zu sagen. Waren es als Teenager noch Rock-Gitarrenhelden wie Hendrix, Slash und Co., kamen über die Jahre doch mehr und mehr Facetten und Künstler hinzu. Nach Jahren exklusiver Hingabe zu Rock, Metal und Punk gab es zum Beispiel – zumindest gitarristisch – auch eine Jazz- und Fusion-Phase bei mir, wo Pat Metheny auf moderner und der 70er-Santana auf der Old-School-Seite für mich sehr wichtig waren. Heute faszinieren mich in erster Linie Songs, Arrangements und Stimmungen als Ganzes. Dabei bin ich völlig genre-ungebunden. Das Letzte, was mich richtig umgehauen hat war zum Beispiel Amos Lee, Bon Iver oder aber auch die letzte Soundgarden. Und im deutschsprachigem Raum einfach immer wieder und wieder JEDES Stück Musik, jedes Konzert und sowieso die künstlerische Grundhaltung des genialen und einzigartigen Niels Frevert!

Fares: Alles, was energetisch ist und Rockgitarren benutzt, war früher ganz groß bei mir. Grunge, aber auch Metal, einfach alles … ich könnte tausende Bands auflisten. Tool will ich darunter nicht verschweigen, die waren früher sehr wichtig für mich. Aber nicht nur. Und auch Exoten und musikalische Ausflüge zu Tori Amos z.B. Heute höre ich vermehrt auch völlig andere Musik, Elektronisches oder auch mal Ruhigeres. Da gibt es super viel Inspirierendes und das ist gut so! Aber meine Vorbilder … ich glaube … die bleiben. Das sind die von früher.

Sebi: Vorbilder eigentlich nicht, aber mich haben natürlich im Laufe der Jahre viele Bands beeindruckt und dadurch auch inspiriert. Unter anderem Kyuss, Soundgarden, The Notwist, Tool und Motorpsycho.

Aus heutiger Sicht: gibt es etwas, das ihr heute anders machen würdet als noch vor 10 Jahren?

Tim: Nichts, auf das man zwingend selbst einen Einfluss hat.

Fares: Ja. Ich würde noch mehr Zeit mit Musik verbringen, als ich sowieso schon habe.

Wie würdet ihr die Entwicklung vom ersten Album zum jetzigen Akustikwerk beschreiben?

Tim: Schwierig. Grundsätzlich kann man vielleicht sagen, dass ausgehend von anfänglichen Ecken und Kanten, die nicht selten in Zwangskrummerhythmen gemündet sind, mittlerweile mehr der Song als Ganzes im Mittelpunkt steht. Für mich selbst kann ich sagen, dass ich das musikalisch Interessante oder die Atmosphäre eines Songs immer weniger von meinem eigenen Instrument aus betrachte.

Fares: Am Anfang hatten wir, glaube ich, überhaupt keinen Plan und haben einfach gemacht – das war cool, weil man das auch hört, aber es war auch sehr anstrengend, konfus und aufreibend. Dann sind wir mehr zusammengewachsen und dadurch ein wenig geschliffener geworden. Auf diese Weise entstand was anderes, für manche viel zugänglicher, für manche vielleicht auch weniger. Sehr coole Songs, mehr Songs als Sounds, anders halt. Die Unplugged-Kiste zwingt uns jetzt dazu, musikalisch, aber auch allein laustärketechnisch und dynamisch wieder völlig andere Akzente zu setzen. Sie hat eine 2te Gitarre eingebracht, mehr Fokus auf Stimmen und Percussions. Das eröffnet Möglichkeiten. Und jetzt? Jetzt sind wir mit dieser Entwicklung und dieser Erkenntnis bewaffnet und kehren zum Rock zurück. Also für mich klingt das vielversprechend …

Wird es ein Record-Release-Konzert zum neuen Album OHNE WORTE geben?

Tim: Ich hoffe doch 🙂 Allerdings sind wir bereits wieder tief im rockigere Gefilde abgetaucht. Müssen wir mal sehen, wie wir da wieder akustische Exkurse einbauen können und möchten. Ihr werdet es jedenfalls zusammen mit unseren anderen Fans als erste erfahren!

Fares: Davon ist absolut auszugehen!

Lieblingsplatte auf Ewigkeit?

Tim: Hier muss ich aus historischen Gründen Appetite for Destruction von Guns’n’Roses nennen, auch wenn es nicht die Platte wäre, die ich heute exklusiv mit auf eine einsame Insel mitnähme.

Fares: Kann ich nicht. Nicht entscheiden. Geht nicht. Karneval op Kölsch. Oder vielleicht doch AENIMA?

Aram: Pink Floyd „The Wall“

Sebi: Motorpsycho „Demon Box“

 

Zusatzfragen für die zuletzt Dazugekommenen Sebi und Aram:

Wie kamt ihr zu GEIST?

Aram: Ich habe glücklicherweise an der Aufnahme der Acoustic-Platte als „assistant engeneer“ mitgewirkt und so konnte ich die Jungs kennenlernen. Und aus heiterem Himmel bekam ich den Anruf mit der Frage: Hast du Bock bei uns zu trommeln? Und die Antwort war: JA!!!

Sebi: Ich kenne die Jungs schon recht lange und nachdem ich das Video zu ihrer Single „Feuerengel“ gemacht habe, ist der Kontakt enger geworden. Irgendwann haben sie mich dann gefragt, ob ich Lust hätte sie bei dem Akustik-Projekt zu unterstützen. Hatte ich natürlich und weil ich keine Band hatte und GEIST keinen Bassisten, bin ich einfach geblieben. 😉

Was war euer Bild der Band im Vorfeld und inwiefern hat sich das bestätigt/widerlegt, seit ihr dabei seid?

Aram: Mir wurde GEIST vor ungefähr 10 Jahren von einer Freundin empfohlen und als ich die erste Platte gehört hatte, war ich total begeistert!

Sebi: GEIST waren von Anfang an eine der interessantesten Kölner Bands und ich fand sie live sowie auf CD unglaublich gut. Deutschsprachige Bands müssen sich ja oft die haarsträubendsten Vergleiche anhören und werden schnell in Schubladen gesteckt. GEIST konnten sich aber immer ihre eigene Nische suchen und haben einen sehr eigenen Stil entwickelt, sind dabei aber nicht festgefahren und in alle Richtungen sehr offen. Seit ich dabei bin, hat sich dieser Eindruck absolut bestätigt.

Was habt ihr vor GEIST musikalisch gemacht?

Aram: Ich spiele Drums in Rockbands seitdem ich 16 war und bin auch im Elektrobereich aktiv.

Sebi: Vor GEIST war ich 11 Jahre Bassist der Kölner Band „Circle of Grin“, die sich Ende 2012 aufgelöst hat.

Was erwartet oder erhofft ihr euch für die Zukunft von GEIST?

Aram: Die Proben bei GEIST waren bisher sehr kreativ. Jeder trägt zum Songwriting bei und so entstehen ganz tolle Ideen/Songs. Ich freue mich auf die kommenden Konzerte!

Sebi: Es ist immer spannend, wenn sich neue Konstellationen bilden und unterschiedliche Charaktere aufeinander treffen. Ich freue mich auf den Prozess und die Energie, die solche Veränderungen mit sich bringen. Das Potenzial ist riesig. GEIST wird sich weiterentwickeln und ich hoffe, dass wir dieses Jahr durchstarten, Konzerte spielen und ein neues Album aufnehmen, das unsere Erwartungen im besten Falle noch übertrifft.

 

GEIST sind:

Fares Rahmun Gesang, Gitarre
Tim Born Gitarre, Gesang
Sebastian Lautenbach, Bass
Aram Khlief Drums, Programming

 

weitere Informationen unter:
geistreich.org
facebook.com/geistrock
youtube.com/geistrock
geistrock.bandcamp.com/
twitter.com/geistrock

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