Mehr als ein Geheimtipp – Iceland Airwaves 2013

Borko @ Iceland Airwaves '13

Seine Anfänge nahm es 1999 in einem kleinen Hangar im Flughafen Reykjavik und mauserte sich dann in den folgenden Jahren zu einem Geheimtipp der internationalen Musikszene. Das Iceland Airwaves ist zu einem der vielen Touristenattraktionen Islands geworden – auch wenn man zugeben muss, dass es als ein solcher Touristenmagnet von der Stadt Reykjavik und Icelandair gegründert wurde. Mittlerweile ist es zu einem fünftägigen Festival angewachsen, das sich über mehrere Clubs, dem Reykjavik Art Museum und Harpa Konzerthaus verteilt. Zudem bilden unzählige Off-Venue Events einen Rahmen um das Hauptprogramm. Dabei laden Bars, Hostels, Shoppingläden und viele mehr zu kleinen Shows der isländischen Bands und Musiker von mittags bis abends, kurz bevor das Festival wieder beginnt.

Bei so reichhaltigen Auftrittsmöglichkeiten spielt fast jede Band mehr als einmal in den fünf Tagen. Ich wage zu behaupten, dass die meisten isländischen Bands sogar im Schnitt 3-5 Shows spielen. Noch unglaublichere Ausmaße nimmt diese Rechnung an, wenn man bedenkt, dass einzelne Musiker gerne mal in mehreren Bands spielen. Es grenzt schon an Irrsinn, wenn Musiker wie Magnús Trygvason Eliassen ganz lässig davon reden, sie würden auf dem Festival 24 Shows spielen und fänden es ganz aufregend und hätten Spaß an dem Stress. Einmalige Spitzenreiterin im Wettlauf um die meisten Aufritte beim Iceland Airwaves ist trotzdem noch Ragnhildur Gunnarsdottir, die 2011 ganze 30 Shows spielte. Das macht sechs Auftritte je Tag und demnach muss sie wirklich jede Stunde zu einem anderen Venue gehetzt sein.

Der ganze Stress war den Musikerinnen und Musikern dann auf der Bühne kaum anzumerken, sie spielten jede Show als wäre es die erste des Abends und mit so viel Enthusiasmus und Liebe zur Musik, dass sie ein unerreichbar hohes Niveau der Auftrittsqualität an den Tag legten. Denn man kennt es ja von Festivals: Da gibt es den einen großen Auftritt, der alles in den Schatten stellt und ganz viele, bei denen der Spaßfaktor der Konzerte einer Achterbahn gleicht – vom Kribbeln im Bauch nach der ersten, steilen Senke bis zu den drei magenumdrehenden Loopings, nach denen man sich lieber heulend die nächste Ecke werfen möchte. Das Iceland Airwaves ist dagegen eher wie der 20. Geburtstag, den man mit seinen jahrelangen besten Freunden feiert, die Straßen unsicher macht, den ganzen Abend auf 180 ist, sich auch mal übernimmt und am nächsten Morgen selig, bis zum Bersten voll mit guten Erinnerungen dem Sonnenaufgang entgegen läuft.

Blood Group @ Iceland Airwaves '13

Deshalb strömen jährlich 8.000 Begeisterte in das Mekka der guten Musik, von denen die Hälfte aus allen Winkeln der Erde extra angereist kommt, um sich dieses Spektakel nicht entgehen zu lassen. Sie lassen sich anstecken von der guten Laune der Bands und sind von der ersten Minute an voll dabei. Es gibt kaum einen Moment der Pause, denn in der Regel wandert man als Besucher öfters zwischen den Venues. Auch wenn diese nicht weit auseinanderliegen, macht der Wind, der gerne mal vom Meer stürmt, es einem nicht gerade leicht voranzukommen.

Die Entschädigung folgt dann aber auf dem Fuße, wenn zum Beispiel Borko mit fünfköpfiger Band die süßen, melancholischen und bewegenden Popsongs seines letzten Albums zum Besten gibt. Oder wenn Bloodgroup ihrem Alternative-Electro Rock mit aller Power von der Bühne schmettern und dabei selbst kaum still stehen können. Oder Sísý Ey überraschend mit einem coolen Electropop um die Ecke kommen und Oyama dich den Shoegaze wieder lieben lässt. Wenn man Angst haben muss, das ganze Gebäude stürzt ein, sobald FM Belfast ihre Show beginnen. Sie vom ersten Song an die Party auf der Bühne beginnen und diese sich sofort auf das Publikum überträgt, bis es springt, tanzt und bis zur Erschöpfung auf voller Kehle mitsingt – dann weißt du, dass du eines der besten Festivals miterlebt hast. Genau deshalb und weil es seit Jahren immer ausverkauft ist, kann es kaum noch als Geheimtipp bezeichnet werden.

Und dabei habe ich noch nicht mal die unfassbar beeindruckende Kulisse des ganzen Spektakels erwähnt – der Blick auf’s Meer zum Kollafjörður und dem dahinter liegenden Gebirge Esja… Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Wenn ihr euch selbst ein Blid vom Iceland Airwaves machen wollt, schaut euch einfach die Dokumentation an, die von Sagafilm gedreht wurde.

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